LA CONFIANZA

Website: www.la-confianza.de
facebook: www.facebook.com/LaConfianza
Management: Niko Tsagarakis – niko@monster-artists.com

 

Photo: Jaro Suffner

Wenn der DJ in den 90ern sein Crossover-Set begann, zogen die jungen Männer ihre Jacken aus und legten sie an den Rand der Tanzfläche wie Fußballer vor der Einwechslung. Zwei Minuten später barsten Brillengläser. Doch alle lachten. Und schrieen. Hatten Freude am Frustabbau. Und meinten es ernst. Sie schwammen mit Such A Surge „gegen den Strom“ und gaben sich bei Downset ihrem „Anger“ hin. Völlig ironiefrei. Geborgen in gemeinsamer Katharsis.

Dieses Gefühl bringen La Confianza zurück. Die Energie, welche Crossover und seinen Nachfolger Nu Metal in dessen Frühling auszeichnete. Nicht die Fusion aus Rap und Rock selbst, einmal neu und dann berechenbar, sondern die erhebende Direktheit. Den Kick aus Groove, griffiger Aggression und handwerklich perfektem Punch. Die entwaffnende Offenheit. Die klaren Worte.

„Raus da, los jetzt, Brust raus, Kopf hoch, ergib Dich nicht kampflos!“ Wer singt das heute noch? Niemand. Die jungen Männer des 21. Jahrhunderts üben sich in Ironie, in Selbstreflexion oder auch in apokalyptischem, hoffnungslosem Hass. La Confianza hingegen malen Science-Fictionen- Visionen einer überbevölkerten Metropolenwelt auf die innere Leinwand, in welcher der Ich- Erzähler wie ein Actionheld die Wachleute überwältigt, als hätte die Band vor der Aufnahme „Judge Dredd“ geschaut oder einen Action-Shooter auf der PlayStation gespielt. „Ausweglos“? Niemals. „Daaaaaavid!“, schreit Sänger Pablo am Schluss zu einem ratternden Riff, und natürlich: „Goliaaaaath!“ Es ist ein einfacher Kampf, doch er birgt Hoffnung.

La Confianza wollen ein Ende des Selbstmitleids. Sie wollen Helden machen. Die Single „Bewegung“ ist ein Weckruf: „Es geht um Bewegung, dies ist Dein Beweggrund!“ Wie einst Such A Surge erinnern sie daran, dass jeder Einzelne weiterhin die Welt retten kann und geben in „10 Milliarden Menschen“ Einblick in das Büro des Feindes, gegen den es anzutreten gilt. Das Stück erzählt aus der Ich- Perspektive vom Erben eines gigantischen Konzerns, der im Zentrum der Macht die Stimme seines Großvaters vernimmt: „Du musst eine Geldmachtmedienpyramide bauen/ ihre Spitze strahlt/ der Rest versinkt im Staub!“

Die vier jungen Männer aus Bayern, die nach dem selbstproduzierten Album „Epochenjäger“ (2009) nun erstmals an eine größere Öffentlichkeit treten, haben den Mut zur Eindeutigkeit. Auch musikalisch. Ihre Songs beginnen wie die besten Adrenalinspritzen von Linkin Park: Knisternde Elektronik und die glimmende Glut verhallter Gitarrenlicks als Ruhe vor dem Sturm, der sich in Form einer wuchtigen Woge auftürmt, die einen nicht unter sich begräbt, sondern oben auf dem Wellenkamm mitreiten lässt. La Confianza heißt übersetzt: Die Zuversicht.
La Confianza wollen ein Ende der Trägheit. Sie wollen das Gestern im Morgen. Die junge Frau, die sie im Video zu „Bewegung“ vom Sofa jagen, liegt nicht vor einem Flatscreen, sondern vor einem Röhrenfernseher. Die Band, die darin spielt, springt in einer Lagerhalle umher. Das war lange Zeit verboten. Genauso, wie Linkin Park und Korn mit Such A Surge und Sullen zu kreuzen. Oder: Den Überdruss eines leidenschaftslosen Alltagslebens mit dem Bild der „Galeere“ auszudrücken.

La Confianza bekämpfen nicht nur Wachleute in totalitären Großstädten des Jahres 2070, sondern auch die Stilpolizei der Gegenwart… so mitreißend, vital, wach und virtuos, dass ihnen ein Siegeszug bevorsteht. Denn es ist Zeit. All die heimlichen Fans und Freunde der 90er werden wie Schläfer aus dem Schatten auf die Tanzfläche treten und ihre Jacken beiseite legen wie Fußballer vor der Einwechslung. Dann werden sie innehalten, ihre Hände nach hinten ausstrecken und warten, bis die eigenen Kinder ihnen folgen, die sich im Jahrzehnt des stylishen Bruchs so lange verstecken mussten und jetzt endlich wieder klare Worte machen dürfen. „Wie kontrolliere ich zehn Milliarden Menschen?/ dass sie für mich leben, für mich sterben, für mich kämpfen?“, rappen zwei Generationen schließlich gemeinsam, mit schmalen Augen und ausladenden Tanzschritten. Es sind die Worte des Bonzen-Erben, gegen den der Song gerichtet ist. Gegen den sie antreten. Die neuen Helden. Völlig ironiefrei. Geborgen in gemeinsamer Katharsis. Und bei allem reinigenden Zorn: Voller Zuversicht.

2013 – Oliver Uschmann (Visions)