KONRAD WISSMANN

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Konrad Wissmann hat eine bemerkenswerte Stimme. Nicht nur wenn er singt, auch wenn er entspannt plaudert, erzählt ihr Klang ganz genau das, was seine Worte gerade beschreiben. Gar nicht pathetisch, im Gegenteil: „Ich bin kein gebrochener Musiker mit schwerer Kindheit,“ lacht er, „tut mir leid, diese Geschichte habe ich nicht zu bieten. Ich hatte auch noch nie Lust, mir irgendeine Attitüde zuzulegen – Avantgarde, Independent, was auch immer.“ Und, um es auf den Punkt zu bringen: „Mein größtes Glück ist die Freiheit, ich selbst sein zu dürfen.“ Das nimmt man ihm ab, sofort. Konrad Wissmann ist einer dieser Menschen, denen auf wundersame Weise vieles zuzufallen scheint. Einer, der die Gabe hat, sich zu hinterfragen, ohne sich damit selbst in Frage stellen zu müssen.  Dem jede Bühne gehört, die er betritt, ganz einfach nur, weil er sie betritt. Und der trotzdem so nahbar bleibt, dass er ganz selbstverständlich unter vielen im Publikum stehen könnte, ohne herauszustechen. Ein 28-jähriger Flaneur, gedankenvoll, selbstironisch, den Schalk im Nacken. Mit offenen Augen für die anderen und trotzdem ganz bei sich.

Konrad musste seinem Glück nicht hinterherlaufen – die Musik kam zu ihm. Schon als Kleinkind war sie einfach da, in Form aller Gegenstände und Instrumente, denen ein brauchbarer Ton zu entlocken war. Aber sie wurde deutlich gedämpft, als seine Eltern das vorhandene Talent mit Unterricht am heimischen Klavier fördern wollten. „Das hat mit mir nicht funktioniert, Musik in so eine feste Struktur zu pressen“, sagt er rückblickend. „Ich lebe Musik eben einfach, wie es mir gerade gefällt, und das war als Kind wohl auch schon so.“ So geht das bei ihm: mit Spaß, ohne Zwang. Und kaum ist der Druck weg, ist die Musik auch wieder da, in voller Lautstärke, und diesmal dauerhaft. Mittlerweile könnte Konrad sich singend an Schlagzeug, Gitarre oder Bass begleiten, sogar am Klavier.

Auch die regelmäßigen Urlaubszeiten im sommerlichen Süden Frankreichs hinterlassen beständigen Eindruck, das savoir vivre, vor allem die Musik: Mögen die Aznavours, Bécauds, Dutroncs für seine Eltern und Geschwister vor allem atmosphärische Urlaubsuntermalung sein – für Konrad sind sie mehr. „Diese Mischung aus Leichtigkeit und Leidenschaft ist bei mir auf ganz weit geöffnete Ohren gestoßen und hat sich schnell dort eingenistet“, so Konrad. „Ich weiß nicht, ob das die Initialzündung war, aber ganz sicher reifte anschließend immer mehr die Idee, dass Musik meine Berufung sein könnte.“
Er beginnt, eigene Songs zu schreiben, und es werden schnell immer mehr. Konrad verbringt bald soviel Zeit mit Keyboard, Sampler und Aufnahmegerät, wie ihm neben der Schule nur irgendwie bleibt. Gedanken, über Castingshows oder andere Talentwettbewerbe den schnellen Weg zum Erfolg zu suchen, sind ganz weit weg: Was er tut, tut er nicht mit der Absicht, etwas zu erreichen – die Absicht ist, es einfach zu tun.
Nach der Schule steht dennoch die Entscheidung an – Musik, ja oder nein. Die Frage ist nicht, ob er will, sondern ob er es kann, so wie er es will. Er kann: Konrad beginnt eine Gesangs-Ausbildung, singt sich durch viele Bands, Projekte und feuchte Keller-Übungsräume im heimatlichen Hamburg, steht in Franz Wittenbrinks Kiez-Revue „Café Amazonien“ auf der Bühne, bis er beim Fußballspielen zufällig auf den Songwriter und Sänger Michel van Dyke trifft. Gemeinsam mit ihm und dem Sänger und Drummer Leo Lazar gründet Konrad kurzentschlossen die Formation Ruben Cossani, die sich mit charmanten, nur auf den ersten Blick leichten Popsongs eine Fangemeinde weit über Hamburg hinaus erspielt.

Die Idee zu seinem Solo-Erstling „Parole“ entsteht nach dem finalen Live-Album von Ruben Cossani, das sie treffend mit „Zu gut für diese Welt“ betiteln. Konrad will nicht einfach drauflos schreiben, nur um etwas zu tun zu haben. Er wartet auf den Kuss der Muse – und trifft dabei auf sich selbst: auf seine Spielfreude, auf die Urlaubserinnerungen seiner Kindheit und Jugend. Warum nicht dem Sound der alten Granden ein frisches Gesicht verpassen? In Peter Hoffmann findet er seinen Partner in Crime, der erfahrene Produzent ist ein Meister darin, Musik wachsen zu lassen. Gemeinsam mit dem Engineer und Co-Produzenten David Bonk richtet sich das Trio in Hoffmanns idyllisch zwischen Hamburg und Lüneburg gelegenen Studios ein und widmet sich hingebungsvoll der gedeihenden Idee. „Das hatte schon etwas von Familie, wir haben einfach alles gemeinsam gemacht: Holz hacken, Tennis spielen, im Dorfladen einkaufen, Musik machen. So, wie es gerade passte. Drei Jungs, die sich um ihr musikalisches Baby kümmern.“ Es muss vieles gepasst habe, der Spross ist schnell gewachsen – und er ist Konrad verdammt ähnlich.
Direkt und ehrlich, voll hintergründigem Humor und echtem Gefühl: „Parole“ ist Konrad Wissmanns Album, ganz nach eigenem Gusto, ohne Kompromisse. Mit augenzwinkernder Nonchalance bedient er sich in den 50ern, 60ern und 70ern, genauso aus den Nuller-Jahren des 21. Jahrhunderts. Er spielt mit Stilmitteln aus Jazz, Chanson und heutigem Singer/Songwriter-Pop. Und dreht aus all diesen Zutaten schließlich wie selbstverständlich sein ganz eigenes Ding, als wäre es das Natürlichste der Welt, etwas eigentlich derart Komplexes so eingängig und leicht klingen zu lassen.
Der sehr akustisch gehaltene, erfrischend kantige Sound trägt von der ersten Sekunde an, über das gesamte Album und durch die Verschiedenheit der einzelnen Songs hinweg. Dank der hörbar liebevollen Produktion, dank der Begeisterung und Spielfreude der beteiligten Musiker entsteht so eine musikalische Spielwiese, gemacht für Konrads unnachahmliche Art des Singens.
Seine Stimme gönnt sich alle Gefühlsregungen, direkt und ungefiltert. Man hört das Lächeln in den Mundwinkeln, wenn Konrad mit „1,2,3,4“ die federnde ersten Single des Albums anstimmt; spürt das Kratzen der gebrochene Stimme im eigenen Halse bei „Du lässt dich gehn“, dieser lakonischen, bitterbösen und zugleich zutiefst romantischen Beziehungs-Offenbarung. Die beißende Ironie in „Und ich und ich und ich“ schreit er fast heraus, lässig über dem treibendem 60ies-Beat. Und „Sie“, eine schamlos poetische Hymne an die Geliebte, ertrinkt nicht im naheliegenden Streichersumpf, sondern gibt den aufrichtigen, intimen Blick ins Innere frei – ganz nackt, nur mit Gitarrenbegleitung eingespielt und von allem verschleiernden Pathos befreit. Es ist tatsächlich so: Konrad bringt selbst unsingbar scheinende Zeilen in einen harmonischen Fluss, der alle Vorbehalte gegenüber der deutschen Sprache einfach ignoriert. Und es funktioniert.
Der Albumtitel ist kein Schlachtruf, das wird schon beim ersten Hören deutlich. Die „Paroles“, die “leeren Worte” im Titel, sind ein verspielter, selbstironischer Hinweis: auf die echten Emotionen hinter und zwischen den Worten, auf die vielen kleinen musikalischen Details in jedem Song. Und vor allem auf jene Geschichten, die Konrads Stimme allein mit ihrem Klang erzählen kann.